Die Welt nach der Corona Krise

Wir befinden uns in einer weltweiten Krise, eine von keinem Lebenden in dieser Form je erlebten Krise. Glücklicherweise ist die Menschheit für Innovationskraft, Widerstandswille und Zähigkeit bekannt. Die Krise wird neue Energien geschürt haben, innovative Ideen werden entstehen, notwendige innerbetriebliche Änderungen werden angegangen. Es stehen uns alle große Veränderungen bevor.

Nach der Krise ist vor der Krise

Ja, die Krise sollten alle Unternehmen auch als Chance sehen. Und als Gelegenheit sich mit der Frage auseinanderzusetzen: Wie sieht mein Krisenmanagement aus? Wie haben wir unsere Krisenvorsorge organisiert?

Allein in den letzten 20 Jahren haben wir alle zwei bis drei Krise erlebt, die der Weltwirtschaft massiv zugesetzt haben: denken Sie an 09/11 oder die Bankenkrise. Wenn wir damals noch nicht unsere Lektion gelernt haben, dann sollten wir es jetzt tun. Die nächste Krise kommt bestimmt. Bereiten wir uns gut darauf vor und überarbeiten wir unser Krisenmanagement.

Und dann?

Ob Sie jetzt im Reaktionsmodus oder im Abarbeiten eines soliden Krisenmanagementplans sind, es wird vorbeigehen. Und die große Frage ist: was kommt dann auf uns zu? Aufgrund des Anstiegs der Suchbegriffe können wir damit rechnen, dass viele Unternehmen mit Outplacement und Restrukturierungen rechnen. Unabhängig davon wie stark Ihr Unternehmen von der Krise getroffen wurde, eines ist sicher: in allen Unternehmen wird kein Stein auf den anderen bleiben.

Change Management ist schon länger die neue Konstante. Aber nach der Coronakrise werden sich alle Unternehmen verändern müssen. Welche potenziellen Transformationen stehen uns bevor?

Welche potenziellen Transformationen stehen uns bevor?

Stellenabbau
Die Krise wird Firmen, die schlecht aufgestellt waren, oder bereits nahe am Abgrund waren, zwingen, Mitarbeiter zu entlassen. Outplacementlösungen werden hier gerne angenommen werden. Es ist aber auch damit zu rechnen, dass die Bundesrepublik gewisse, strategisch wichtige Unternehmen ähnlich wie 2008 unter den Armen greifen wird, um das Land nicht zu stark zu destabilisieren.

Digitalisierung
Viele deutsche Unternehmen werden zurzeit dafür bestraft, dass sie die Virtualisierung verpasst haben. Entsprechend wird 2020/2021 die Digitalisierung der Arbeitswelt einen starken Boom erleben. Lösungen wie MS Teams, Zoom, Skype u.ä. wurden zwar in den letzten Tagen im Eiltempo installiert. Was aber folgen wird, ist eine beschleunigte strategische Planung der Digitalisierung. Wie können wir, bei der nächsten Krise, trotzdem produzieren, liefern, Leistung erbringen? Haben wir die richtigen Tools und die passende Infrastruktur? Haben wir unsere Mitarbeiter dazu befähigt, in diesem virtuellen Umfeld zu arbeiten?

Restrukturierung: Es ist mit vielen Restrukturierungen zu rechnen. Viele Firmen werden ihre Globalisierungsstrategie überdenken, neue Dienstleistungen bekommen mehr Gewicht, der Markt wird sich stark in Richtung Sicherheit und Reinlichkeit bewegen. Neue Organisationseinheiten werden kreiert und gewisse Produkte und Dienstleistungen werden hinfällig. Wir müssen auch mit vielen Merger und Akquisitionen rechnen. Sprich Transformationen und Restrukturierungen im großen Rahmen sind zu erwarten. 

Herausforderung für das Change Management

Man könnte geneigt sein, zu behaupten, dass diese Veränderungen ähnlich anzugehen sind, wie andere Transformationen auch. Ein wichtiger Unterschied zu früheren Veränderungen ist der kulturelle Wandel, der durch alle Schichten der Gesellschaft bedingt durch die Corona-Krise erfolgt ist. Es ist nicht eine weitere Veränderung (im Sinne von Change ist die neue Konstante). Es ist eine Veränderung, die alle betrifft und sich von den „klassischen“ Optimierungsveränderungen stark unterscheidet.

Die Veränderung ist existenziell

Jetzt oder kurz nach der Corona-Krise die Stelle zu verlieren, ist existenziell. Es wird für die entlassenen Personen kaum neue Stellenangebote haben. Und wenige Leute im Unternehmen können sich beruhigt zurücklehnen, da ihre Stelle sicher ist. Dies wird sehr viele Ressourcen nach innen binden (etwas was wir bereits heute feststellen) und wird die Belastung der Mitarbeiter stark erhöhen. Aber auch dazu führen, dass die Menschen sich stark einbinden, um ihre Relevant für das Unternehmen zu unterstreichen.

“Sense of Urgency” ist allen klar

Die Notwendigkeit sich zu verändern muss nicht mehr lang erläutert werden. Jede und jeder versteht, dass die Krise nicht spurlos am Unternehmen vorbeigehen wird. Alle werden Verständnis dafür haben, dass Veränderungen notwendig sind. Aber es gelten weiterhin die gleichen Regeln wie bei normalen Change Management Projekten: Betroffene zu Beteiligte machen und eine gemeinsame Vision erarbeiten. Denn hier wird die Schwierigkeit liegen: die gewählte Lösung zu erläutern und zu positionieren. 

Auf Worte Taten folgen lassen

Firmenwerte bekommen in Krisensituation eine neue Relevanz. Werte wie Vertrauen, Ehrlichkeit und Verantwortung stehen meist an der obersten Stelle der Firmenwerte in Deutschland. Nach der Krise sind Führungskräfte somit stark gefordert. Restrukturierung ja, aber Verantwortungsvoll und im Einklang mit den Firmenwerten bedeutet den roten Stift auf allen Ebenen anzusetzen und gemeinsam (z.B. mit Betriebsrat oder den Gewerkschaften) gerechte Lösungen zu entwickeln, damit das Vertrauen in der Führung erhalten bleibt und die Unsicherheit bei den Mitarbeitern schnell abnimmt.

Wertewandel berücksichtigen

Safety First ist die neue Normalität. Während früher EHS (Environment, Health and Safety) gerne belächelt wurden, hat diese Abteilung in der Krise Aufwind bekommen. Wir brauchen nur nach Asien zu schauen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was auf uns zukommt. Gesundheit und Rücksichtnahme sind Werte, die an Relevanz gewonnen haben, und die entsprechend auch von den Mitarbeitern eingefordert werden. Restrukturierung zum Überleben, Restrukturierung für eine verstärkte Digitalisierung, aber Restrukturierung zum Schutze des Einzelnen und aus Rücksicht für alle.

Fokus auf Digitalisierung und Virtualisierung

E-Learning oder Online-Lösungen werden dabei eine stärkere Rolle spielen. LMS (Learning Management Systeme) und Kooperationsplattformen gewinnen an Relevanz, was viele ältere Mitarbeiter überfordern könnte. Change Management Programme müssen, ob bei der Kommunikation oder beim Training, mit diesen neuen Gegebenheiten arbeiten.

Volkswirtschaftliche Verantwortung

Dadurch dass die Krise fast alle Wirtschaftsbereiche erfassen hat, haben wir alle auch eine volkswirtschaftliche Verantwortung. Wir sollten an alle Partner denken, ob es sich um Lieferanten, Dienstleister oder Kunden handelt, denken. Welchen Part können wir spielen, um die globale Volkswirtschaft schnell wieder zum Laufen zu bringen? Wie können wir unsere Firma restrukturieren, so dass wir alle gestärkt aus der Krise kommen? Es wird also eine Herausforderung sein, gemeinsame Lösungen mit strategischen Partnern zu entwickeln und die Veränderung zusammen anzugehen.

Wir alle sind somit gefordert. Es gilt einen kühlen Kopf zu bewahren und an den Dringlichkeiten zu arbeiten (das sollte zum heutigen Zeitpunkt größtenteils schon erfolgt sein) und nun die Phase nach dem Social Distancing und den Ausgangsverboten vorzubereiten. Sehen Sie die Veränderung und die Krise als Chance, gemeinsam neue Wege zu gehen und als Führungskraft und Organisation zu wachsen!