Lehren für die Wirtschaft aus dem Bayern Debakel

Einige Tage nach dem Champions League Finale und die Bayern hadern nach wie vor mit ihrem Schicksal: nach 2010 haben sie auch 2012 im Finale verloren, trotz eines bärenstarken Teams. Und Samstagabend war nur der Endpunkt einer schwachen Saison mit keinem Titelgewinn. Die Frage ist nun, was Bayern München und auch Unternehmen aus dieser Niederlage lernen können.

Die Lessons Learned

1. Ein Spiel dauert 90 Minuten

Obwohl dies Basiswissen im Fußball ist, scheinen es nicht alle Bayern-Spieler wirklich verstanden zu haben. Wie schnell ein Spiel und sein finales Ergebnis sich ändern kann, wurde am Samstag in der Partie gegen Chelsea offensichtlich. Wie Karl-Heinz Rummenige nach dem Spiel sagte, hatte Bayern München drei spielentscheidende Szenen, aber die Mannschaft hat es nicht geschafft den Champions-League-Pokal nach Hause zu spielen.

Für Manager bedeutet dies, beharrlich zu sein, den Markt und das eigene Unternehmen ständig zu beobachten. Es gilt plötzliche, unvorhersehbaren Änderungen wahrzunehmen, die den Erfolg eines jeden Projekts oder einer Kampagne stören können. Ist Ihnen bewusst, was in Ihrem Markt los ist?

2. Die bessere Mannschaft gewinnt nicht immer

Das ist bedauerlich - aber ist es nicht auch das, was das Spiel so spannend macht? Die Tatsache, dass sie offensichtlich besser waren, war sicherlich die größte Enttäuschung für den deutschen Rekord-Meister. Auch auf dem Papier haben sie eine der besten europäischen Teams mit über 10 Nationalmannschafts-Spielern (Deutschland, Frankreich, Niederlanden, ..), und trotzdem konnten sie ihre Fähigkeiten nicht umsetzen.

Man kann einwenden, dass dies nicht für Unternehmen gelte, aber viele Unternehmen, die sich auf der Siegerseite gewähnt haben und auch objektiv sehr gut waren in dem was sie machten, wurden mit bösen Überraschungen konfrontiert. Das Paradebeispiel ist Apple, dessen Betriebssystem vor 20 Jahren deutlich besser als jenes von Microsoft war - doch Microsoft hat sich durchgesetzt. Bill Gates verstand es, seine Stärken zu nutzen.

3. Passen Sie Ihr Spiel der Konkurrenz an

Bayern hat zugegebenermaßen viel besser gespielt als Chelsea. Der Anti-Fußball des englischen Teams ist nichts, was Fußball-Fans (mit Ausnahme von den Chelsea-Anhängern) sehen wollen. Aber die Bayern-Spieler haben es verabsäumt ihr Spiel zu ändern und spulten ihr Standardprogramm ab. Chelseas Stärke ist der Stürmer Didier Drogba mit seinem unglaublichen Torinstinkt und natürlich ihr Torhüter Cech. Doch statt die Verteidigung zu stärken, versuchte der Verteidiger Lahm noch aktiv ein Tor zu erzielen!

Zu wissen was die Konkurrenz macht (und denkt) ist der Schlüssel zum Erfolg. Sie müssen vorausschauend denken, sich der Stärken und Schwächen Ihrer Wettbewerber bewusst sein. Auch wenn Sie sich auf Kundenbetreuung und Pflege fokussieren, müssen Sie immer besser sein als das Anbot Ihres Gegners.

4. Stars sind nicht wichtig – das Team zählt

In diesem Champions League Jahr sahen wir sowohl die Top-Stars Messi und Christiano Ronaldo als auch die bayerischen Stars Schweinsteiger, Robben und Ribbery scheitern. Einige Mitspieler und Spieler der zweiten Reihe konnten sie nicht entsprechend ersetzen. Stars sind wichtig und können ein Spiel drehen, aber ein Team ist nur dann erfolgreich, wenn alle liefern können.

Die Unternehmen sollten sich nie nur auf ein paar „Star-Manager“ verlassen, durch die Einstellung von Führungskräften mit berühmten Namen oder außergewöhnlichen Lebensläufen und dem Argument, dass sie nicht über die richtigen personellen Ressourcen in den eigenen Reihen verfügen. Neu eingestellte Überflieger scheitern oft, weil sie die Unternehmenskultur nicht verstehen und mangelnde Empathie-und Teamfähigkeit besitzen.

5. Wir sind auch nur Menschen

Einen Tag ganz oben, dann wieder ganz unten. Einige Spieler können uns mit der richtigen Mischung aus Ausdauer, Spielfreude und Glück (ja, Glück!) mit ihren Fähigkeiten und ihrer Spielintelligenz begeistern. Aber da wir glücklicherweise weit davon entfernt sind Roboter zu sein, gibt es andere Gelegenheiten bei denen uns die gleichen Spiele enttäuschen. Schweini war der Star im Spiel gegen Real Madrid, aber er ging als großer Verlierer im Champions League Finale.

Das gleiche gilt auch für die Mitarbeiter in Unternehmen. Manchmal liefern Sie exzellente Arbeit und dann gibt es Phasen in denen die Ergebnisse schwach und unbefriedigend sind. Kontinuierlich gute Leistungen sind schwer zu erzielen, das gilt für Mitarbeiter wie auch für Führungskräfte. Und ein einmaliges Scheitern sollte nicht der Grund für die Herabstufung oder Entlassung eines Mitarbeiters sein.

Nach diesen Worten der Kritik an Bayern München ein positiver Ausblick: sie haben diese Schlacht verloren, sind aber gut aufgestellt die kommende Saison zu gewinnen. Das Unternehmen steht finanziell auf soliden Beinen und hat in den letzten Jahren nachhaltig gewirtschaftet, etwas was man von spanischen oder englischen Clubs nicht behaupten kann. Dies ist mit ein Grund warum der FCB (Bayern nicht Barcelona!) wichtige Spiele in Zukunft gewinnen wird. Sie werden eines der besten Teams der Welt bleiben. Und ich glaube, einer der wichtigsten Gründe dafür ist die letzte Lehre die man vom deutschen Rekordmeister lernen kann:

6. Investieren Sie jetzt – ernten Sie später

Bayern München investiert traditionell sehr viel in die jungen Spieler und wendet enorm viel Zeit und Geld auf die in die Entdeckung und Ausbildung junger Talente (erinnern Sie sich noch an den jungen Abwehrspieler David Alaba gegen Real Madrid?). Diese Investitionen haben sich zwar in der aktuellen Champions League nicht bezahlt gemacht, aber sie werden sicherlich in den nächsten Saison Früchte bringen - ihre Zeit wird kommen!

Was ist mit europäischen Unternehmen? Professionelles Training, laufende Weiterbildung und High-Potential-Programme sind selten sehr weit oben auf der Tagesordnung angesiedelt. Vielmehr finden sie sich unter Berufung auf das "Söldner-Prinzip" durch die Einstellung von teuren Externen (Hilfe von außen) anstatt mehr Vertrauen in ihre eigenen Leute zu haben.

Dr. Karin Stumpf ist Geschäftsführerin der Berliner Unternehmensberatung Acrasio.

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